25.08.2014

Technical Debt

Wie hoch war Ihr "Schuldenberg" nach dem letzten Projekt?

 

Mit dem Begriff „Technical Debt“ soll aufgezeigt werden, dass nach Abschluss eines Softwareprojektes in der Regel noch eine Menge zu tun ist, denn:

 

Die vielen Fehler, die zwar bei den Tests gefunden, aber nicht korrigiert wurden, weil sie die Lauffähigkeit der Software nicht erheblich beeinträchtigt haben (und um den Termin nicht zu gefährden …), müssen noch korrigiert werden!

 

Dies können zum Beispiel

  • falsch berechnete Werte in Reports sein
  • verschobene Textpassagen in Kundenrechnungen
  • Fehler bei Eingabeprüfungen oder aber auch
  • Performanzprobleme, die u.a. in zu langen Antwortzeiten resultieren.

 

Vorübergehend können die Benutzer mit solchen Einschränkungen leben, aber irgendwann müssen sie behoben werden!

 

Der sog. „Technical Debt“ für diese Softwarefehler kann mittels Aufwandsschätzung der Fehlerbehebung, multipliziert mit den hierzu anfallenden Stundenkosten ermittelt werden.

 

Zu diesen Projektschulden müssen zusätzlich jedoch auch diejenigen Kosten addiert werden, die aufgrund mangelhafter Qualität des eigentlichen Software Codes wie z.B. zu komplexe Bedingungen, verschachtelter Code, fehlende Programmierstandards und Kommentare, unvollständige Schleifenabbruch-bedingungen etc. entstehen können.

Denn erfahrungsgemäß führen diese statisch erkennbaren Mängel früher oder später zu Wartungsproblemen und damit ebenfalls zu Kosten. Auch diese Kosten können in Form von Aufwandszahlen gemessen und als absolute und relative Bezugsgrößen quantifiziert werden.

 

Eine mögliche Berechnungsart ...

... ist die Bewertung jeder Problemart (zu komplexe Bedingungen, verschachtelter Code etc.) mit Aufwand und Kosten auf Basis von Erfahrungswerten von in der Vergangenheit durchgeführten Projekten: 

Die Anzahl der jeweiligen Mängelvorkommen multipliziert mit dem Erfahrungswert für deren Behebungsaufwand und den Stundenkosten ergibt dann die Projektschulden.

 

Projektschulden bzw. „Technical Debt“ können anschließend in Relation zu der Anzahl der geschriebenen Anweisungen gesetzt werden.

Bill Curtis, einer der führenden Entwickler des CMM-Models, schätzt den mittleren Schuldenstand für agile Projekte auf $ 3,61 pro Anweisung!

Für MS Windows XP wurden 40 Millionen Anweisungen geschrieben. Da kommt eine hübsche Zahl zusammen, was auch die Vielzahl an Patches und Korrekturen erklärt …

 

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